DNGPS-Fachtagung: Herrschaft und Widerstand

Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf umkämpfte Verhältnisse 

4. Fachtagung der DNGPS, 08.-10. April 2015

Herrschaft und Widerstand stehen in einer unmittelbaren Beziehung zueinander. Widerstand kann sich nur gegen Herrschaft richten; Herrschaft sich erst in der Möglichkeit des Widerstandes gegen sie beweisen. Sie scheinen zwei Seiten einer asymmetrischen Auseinandersetzung zu sein, in der die Verhältnisse umkämpft bleiben. Das Spiel zwischen Regierung und Opposition in der institutionalisierten Form westlicher Demokratien ist nur ein Ausdruck dieser Beziehung. Denn auch außerinstitutionelle Konfrontationen auf gesellschaftlicher Ebene gehören dazu. Deutlich wird dieses Wechselspiel im Aufbrechen bestehender Gleichgewichte, wie aktuelle Entwicklungen unmittelbar zeigen: ob bewaffnete Konflikte in Syrien oder der Ukraine, politische Krisen wie in Griechenland, ökonomische Krisen wie die Finanz- und Staatsschuldenkrise der EU oder kollektiver Widerstand wie durch die Anonymus-Bewegung oder Cyberattacken einzelner Hacker. Herrschaft und Widerstand spielen auch abseits von Staaten, Krisen und politischen Institutionen eine Rolle. Wir finden sie in Behörden, Verbänden oder den Familien- und Geschlechterverhältnissen. Herrschaft und Widerstand existieren in den alltäglichen Praxen, sind Teil von Lebensformen und gestalten sogar unser Verhältnis zu uns selbst. Herrschaft besitzt in diesen verschiedenen Kontexten ebenso vielfältige Formen wie der Widerstand gegen sie. DNGPS-Fachtagung: Herrschaft und Widerstand weiterlesen

Zeitkrise im politischen Raum und die verlorene Demokratie

Am vergangenen Dienstag lud die Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit dem Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Vortrag „Auf der Suche nach der verlorenen Demokratie – Die Zeitkrise im politischen Raum“. Referent war der Professor für Allgemeine Soziologie Hartmut Rosa von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der mit seiner zeitdiagnostischen Beschleunigungstheorie auch in überregionalen Medien bekannt wurde. Seiner Beobachtung nach haben wir es mit einer stetig beschleunigenden Moderne zu, in der alles und jeder immer schneller geht bzw. gehen muss (gehen im übertragenen Sinne). Und dieses Beschleunigungsphänomen hat auch (negative) Konsequenzen für unsere vermeintliche Demokratie. Die Frage des Abends lautete: Ist die repräsentative Demokratie zu langsam für die globalisierte Welt mit ihrem rasanten ökonomisch-technischen Fortschreitenden? Nach der These von Rosa hinkt das politische System anderen gesellschaftlichen Systemen zeitlich hinterher, und diese Desynchronisation führe dazu, dass die Demokratie die an sie gerichteten gesellschaftlichen Erwartungen nur noch begrenzt erfüllen kann und die Bürger politisch entfremdet werden. Kurz gesagt: Die Moderne ist die Lokomotive, die die langsame Kröte Demokratie überfährt. Zeitkrise im politischen Raum und die verlorene Demokratie weiterlesen

Offene Textrunde (IV) – Henning Schmidgen über Wissenschaft. Das Labor als Archiv und Maschine.

Zwischen unterschiedlichen Forschungsfelder, die im Überblickswerk „Poststrukturalistische Sozialwissenschaften“ dargelegt werden, findet sich auch ein Abhandlung zu Wissenschaft, was zunächst wie eine metatheoretische Abhandlung scheint…

Henning Schmidgen bemüht sich zu Beginn des Aufsatzes um eine Darstellung dessen, was sich wissenschaftsphilosophisch seit zweihundert Jahren entwickelt hat. Er schildert zwei miteinander verwobene Perspektiven: Wissenschaft als Konstruktion von Theorien, basierend auf Beobachtungen; als auch das Ableiten der Wirklichkeit aus solchen Theorien (Schmidgen 2013: 450). Unter Bezug auf Thomas Kuhn und Rudolf Carnap zeichnet er so ein dualistisches Bild zwischen Positivismus und Antipositivismus; Elementarismus und Holismus, etc. – geeint in einer Verbindung von Mikro- und Makroperspektive (Ebd.: 450). Offene Textrunde (IV) – Henning Schmidgen über Wissenschaft. Das Labor als Archiv und Maschine. weiterlesen

Porträt „Jacques Derrida oder Der Mut zum Denken“

Gut, dass es runde Geburts- oder Todestage gibt? Jedenfalls sind solche Jubiläen für Fernsehsender wie Arte Anlass, auch dem einen oder anderen Philosophen ein wenig Sendezeit zu widmen. Zum zehnten Todestag von Jacques Derrida sendet Arte zu später Stunde ein Porträt des französischen Philosphen, „der mit der Dekonstruktion als Konzept neue Lektüre- und Analyseverfahren von Texten prägte und dabei den Mut zum Denken forderte“ (arte.tv).

„Jacques Derrida oder Der Mut zum Denken“, heute 0:00 Uhr bei Arte (53 min.), danach auch in der Mediathek.